§ 307 BGB: Inhaltskontrolle von AGB

Gesetzeswortlaut
„Absatz 1: Bestimmungen in AGB sind unwirksam, wenn sie den Vertragspartner des Verwenders entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen; das kann sich auch aus mangelnder Klarheit und Verständlichkeit ergeben. Absatz 2: Eine unangemessene Benachteiligung ist im Zweifel anzunehmen, wenn die Klausel vom Grundgedanken der gesetzlichen Regelung abweicht oder wesentliche Rechte und Pflichten so einschränkt, dass der Vertragszweck gefährdet ist.“
Porträt von DI (FH) Shahab Daban, MScVon DI (FH) Shahab Daban, MScRedaktionell geprüft von CheckVertrag Redaktion

Kurz erklärt

Eine AGB-Klausel ist nach § 307 BGB unwirksam, wenn sie den Vertragspartner entgegen Treu und Glauben unangemessen benachteiligt. Das gilt auch im B2B und trifft besonders Haftungs-, Kündigungs- und Vertragsstrafenklauseln.

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Was § 307 BGB bedeutet

§ 307 BGB ist die Generalklausel des AGB-Rechts und der häufigste Grund, warum Vertragsklauseln kippen. Geprüft wird in drei Schritten: Verstößt die Klausel gegen ein Verbot der §§ 308, 309 BGB? Wenn nicht, weicht sie vom Leitbild der gesetzlichen Regelung ab? Und schließlich: Ist die Abweichung durch berechtigte Interessen des Verwenders gedeckt? Zentral ist der Begriff der Kardinalpflicht, also der Pflicht, deren Erfüllung den Vertrag überhaupt erst ermöglicht. Ihre Verletzung darf nie vollständig aus der Haftung ausgenommen werden. Auch das Transparenzgebot steckt in Absatz 1 Satz 2: Wer eine Preis- oder Kündigungsregelung so formuliert, dass ein durchschnittlicher Kunde sie nicht durchschaut, verliert die Klausel.

Was das für deinen Vertrag bedeutet

  • Kein Blue-Pencil-Rabatt: Eine zu weit gefasste Klausel wird nicht auf das zulässige Maß reduziert, sie fällt ganz weg. An ihre Stelle tritt das Gesetz.
  • Typische Kippkandidaten: pauschale Haftungsausschlüsse, automatische Vertragsverlängerung um zwölf Monate, Vertragsstrafen ohne Obergrenze, einseitige Preisanpassungsklauseln.
  • Auch im B2B anwendbar. Die Klauselverbote der §§ 308, 309 BGB wirken dort als Indiz für die Unangemessenheit.

Und in Österreich?

Pendant ist § 879 Abs. 3 ABGB (gröbliche Benachteiligung bei Nebenbestimmungen), ergänzt um den Klauselkatalog des § 6 KSchG und das Transparenzgebot des § 6 Abs. 3 KSchG.

Häufige Fragen

Welche AGB-Klauseln sind nach § 307 BGB unwirksam?

Vor allem pauschale Haftungsausschlüsse für Kardinalpflichten, Vertragsstrafen ohne Obergrenze, einseitige Preisanpassungsklauseln und Verlängerungen um zwölf Monate. Die Klausel fällt dann ganz weg, an ihre Stelle tritt das Gesetz.

Was ist eine Kardinalpflicht?

Eine wesentliche Vertragspflicht, deren Erfüllung den Vertrag überhaupt erst möglich macht und auf deren Einhaltung der Partner vertrauen darf. Die Haftung dafür darf nicht ausgeschlossen, nur der Höhe nach auf den typischen vorhersehbaren Schaden begrenzt werden.

Was passiert, wenn eine Klausel unwirksam ist?

Der Vertrag bleibt im Übrigen bestehen; anstelle der unwirksamen Klausel gilt das Gesetz (§ 306 BGB). Eine salvatorische Klausel ändert daran nichts.

Gilt § 307 BGB auch für Verträge zwischen Unternehmen?

Ja. Nur die speziellen Klauselverbote der §§ 308, 309 BGB gelten im B2B nicht unmittelbar, die Generalklausel bleibt anwendbar.

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Weitere Paragrafen

Quellen & Rechtsgrundlagen

  • AT§ 6 KSchG (AT) – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), Österreich
  • AT§ 879 ABGB – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), Österreich
  • DE§ 306 BGB – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)
  • DE§ 307 BGB – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)
  • DE§ 308 BGB – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)

Stand der zitierten Fassungen: jeweils aktuelle konsolidierte Version der amtlichen Fundstelle. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

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