Verzugszinsen: Höhe, Voraussetzungen und Musterformulierung
Zum schnellen Ausrechnen nutzen Sie unseren Verzugszinsen-Rechner; hier finden Sie den rechtlichen Hintergrund mit drei durchgerechneten Beispielen für Deutschland und Österreich.
Kurz erklärt
Verzugszinsen sind kein Verhandlungsposten, sondern ein gesetzlicher Anspruch. Dieser Ratgeber erklärt, wann der Verzug beginnt, welcher Zinssatz gilt und wie Sie die Zinsen geltend machen — inklusive Musterformulierung.
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Die Formel in einer Zeile
Verzugszinsen = offener Bruttobetrag x Jahreszinssatz x Verzugstage / 365. Der Jahreszinssatz ergibt sich aus dem Basiszinssatz plus einem gesetzlichen Aufschlag. Gerechnet wird taggenau ab dem ersten Tag des Verzugs bis zum Tag der Zahlung.
- Betrag: die offene Bruttoforderung, also inklusive Umsatzsteuer
- Zinssatz: Basiszinssatz plus gesetzlicher Aufschlag (siehe unten)
- Tage: erster Verzugstag bis Zahlungseingang, taggenau
- Teiler: 365 Tage, so rechnen Gerichte und Inkassostellen in der Praxis
Welcher Zinssatz gilt für wen
Der Aufschlag hängt davon ab, ob ein Verbraucher beteiligt ist. Der Basiszinssatz wird in Deutschland halbjährlich zum 1. Januar und 1. Juli von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht; setzen Sie immer den zum Verzugszeitraum gültigen Wert ein.
- Verbrauchergeschäft (DE): 5 Prozentpunkte über Basiszinssatz, § 288 Abs. 1 BGB
- Geschäft ohne Verbraucherbeteiligung (DE): 9 Prozentpunkte über Basiszinssatz, § 288 Abs. 2 BGB
- Zusätzlich (DE, B2B): 40 Euro Verzugspauschale je Forderung, § 288 Abs. 5 BGB
- Österreich, allgemein: 4 Prozent gesetzliche Zinsen, § 1000 ABGB
- Österreich, unternehmerischer Geschäftsverkehr: 9,2 Prozentpunkte über Basiszinssatz, § 456 UGB
Ab wann läuft der Verzug
Ohne Verzug keine Zinsen. Verzug tritt ein, wenn eine fällige Forderung trotz Mahnung nicht bezahlt wird. Eine Mahnung ist entbehrlich, wenn ein kalendermäßiges Zahlungsdatum vereinbart ist, wenn die Leistung nach einem Ereignis kalendermäßig bestimmbar ist oder wenn der Schuldner die Zahlung ernsthaft verweigert. Gegenüber Verbrauchern greift zudem die 30-Tage-Regel nach § 286 Abs. 3 BGB, allerdings nur, wenn in der Rechnung auf diese Folge hingewiesen wurde.
- Rechnung mit Datum „zahlbar bis 15.09.“: Verzug ab 16.09., ohne Mahnung
- Rechnung ohne Datum an Verbraucher mit Hinweis: Verzug 31 Tage nach Zugang
- Rechnung ohne Datum ohne Hinweis: Verzug erst ab Zugang der Mahnung
- Ernsthafte Zahlungsverweigerung per E-Mail: Verzug sofort, Mahnung entbehrlich
Beispiel 1: Verbraucher zahlt Rechnung zu spät
Offen sind 1.200 Euro brutto, der Verzug dauert 45 Tage, der Basiszinssatz im Zeitraum beträgt im Beispiel 1,27 Prozent. Zinssatz also 1,27 + 5 = 6,27 Prozent. Rechnung: 1.200 x 0,0627 x 45 / 365 = 9,28 Euro. Die 40-Euro-Pauschale gibt es gegenüber Verbrauchern nicht, wohl aber Ersatz für erforderliche Rechtsverfolgungskosten.
Beispiel 2: Geschäftskunde zahlt 90 Tage zu spät
Offen sind 18.000 Euro brutto, 90 Tage Verzug, Basiszinssatz im Beispiel 1,27 Prozent. Zinssatz 1,27 + 9 = 10,27 Prozent. Rechnung: 18.000 x 0,1027 x 90 / 365 = 455,90 Euro. Hinzu kommt die Verzugspauschale von 40 Euro, insgesamt also 495,90 Euro. Die Pauschale fällt je Forderung an, nicht je Mahnung.
Beispiel 3: Basiszinssatz wechselt im Verzugszeitraum
Ändert sich der Basiszinssatz zum 1. Januar oder 1. Juli, wird der Zeitraum geteilt und jede Teilperiode mit ihrem eigenen Satz gerechnet. Beispiel: 5.000 Euro, 40 Tage bis zum 30.06. mit 6,27 Prozent und 30 Tage ab dem 01.07. mit 6,89 Prozent ergeben 5.000 x 0,0627 x 40 / 365 = 34,36 Euro plus 5.000 x 0,0689 x 30 / 365 = 28,32 Euro, zusammen 62,68 Euro.
Was neben den Zinsen verlangt werden kann
Verzug löst einen Schadenersatzanspruch aus. Ersetzt wird, was durch die verspätete Zahlung tatsächlich entstanden und erforderlich war.
- 40 Euro Pauschale im B2B-Geschäft, anrechenbar auf spätere Rechtsverfolgungskosten
- Kosten der ersten anwaltlichen Mahnung, wenn bereits Verzug bestand
- Nachweisbare Zinsen eines Überbrückungskredits, wenn höher als der gesetzliche Satz
- Inkassokosten: nur bis zur Höhe der Anwaltsgebühren nach RVG (§ 13e RDG) und nur, wenn bei der Beauftragung bereits Verzug bestand. Wer als Schuldner Post vom Inkassobüro bekommt, sollte das Inkassoschreiben prüfen, bevor er zahlt
- Nicht ersatzfähig: eigener Zeitaufwand und pauschale Mahngebühren ohne Grundlage
Musterformulierung: Verzugszinsen geltend machen
Verzugszinsen verlangen Sie am einfachsten mit der nächsten Mahnung oder einer Zinsrechnung. Bewährt hat sich diese kurze Formulierung:
- „Für die offene Forderung aus Rechnung Nr. [Nummer] vom [Datum] über [Betrag] Euro berechne ich Verzugszinsen in Höhe von [5/9] Prozentpunkten über dem Basiszinssatz für den Zeitraum vom [erster Verzugstag] bis zum [Zahlungstag]. Das ergibt [Betrag] Euro.
- Im Geschäftsverkehr ergänzen: „Zusätzlich mache ich die Verzugspauschale nach § 288 Abs. 5 BGB in Höhe von 40 Euro geltend.“
- Zahlungsfrist setzen: „Ich bitte um Ausgleich des Gesamtbetrags bis zum [Datum].“
- Die Zinsen laufen bis zum Tag der Zahlung weiter — weisen Sie bei Teilzahlungen darauf hin, dass zuerst auf Kosten, dann auf Zinsen und zuletzt auf die Hauptforderung verrechnet wird (§ 367 BGB).
Wie Verträge die Berechnung verändern
Vereinbarte Zinssätze gehen dem Gesetz vor, solange sie wirksam sind. In AGB gegenüber Verbrauchern sind pauschalierte Verzugsschäden nur zulässig, wenn sie den typischen Schaden nicht übersteigen und der Gegenbeweis ausdrücklich offen bleibt. Zinsen von 1 Prozent pro Monat, starre Mahngebühren von 15 Euro und der Ausschluss von Zurückbehaltungsrechten sind die drei Klauseln, die am häufigsten beanstandet werden. Genau diese Stellen findet eine Vertragsanalyse in Sekunden, bevor Sie die Zinsen berechnen.
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Häufige Fragen
Wie berechne ich Verzugszinsen konkret?
Offener Bruttobetrag x Jahreszinssatz x Verzugstage geteilt durch 365. Beispiel: 1.200 Euro, 6,27 Prozent, 45 Tage ergibt 1.200 x 0,0627 x 45 / 365 = 9,28 Euro.
Wie hoch sind die gesetzlichen Verzugszinsen?
In Deutschland 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz gegenüber Verbrauchern und 9 Prozentpunkte, wenn kein Verbraucher beteiligt ist. Den zum Zeitraum gültigen Basiszinssatz veröffentlicht die Deutsche Bundesbank halbjährlich zum 1. Januar und 1. Juli.
Werden Verzugszinsen aus dem Brutto- oder Nettobetrag berechnet?
Aus dem Bruttobetrag. Geschuldet ist die offene Rechnungssumme inklusive Umsatzsteuer, weil genau dieser Betrag vorenthalten wird.
Kann ich die 40 Euro Pauschale auch von Privatkunden verlangen?
Nein. Die Pauschale nach § 288 Abs. 5 BGB gilt nur, wenn der Schuldner kein Verbraucher ist. Gegenüber Verbrauchern bleiben Zinsen und konkret nachgewiesene Rechtsverfolgungskosten.
Ab welchem Tag zählen die Verzugstage?
Ab dem Tag nach Eintritt des Verzugs bis einschließlich des Tages der Gutschrift. Bei einem Zahlungsziel „bis 15.09.“ beginnt die Zählung am 16.09.
Wie hoch sind Verzugszinsen in Österreich?
Grundsätzlich 4 Prozent nach § 1000 ABGB. Zwischen Unternehmen gelten 9,2 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz nach § 456 UGB, zusätzlich 40 Euro Betreibungskostenpauschale.
Verjähren Verzugszinsen separat?
Ja. Zinsforderungen verjähren in Deutschland in drei Jahren zum Jahresende, unabhängig davon, wie lange die Hauptforderung noch durchsetzbar ist.
Quellen & Rechtsgrundlagen
- AT§ 1000 ABGB – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), Österreich
- AT§ 456 UGB – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), Österreich
- DE§ 286 BGB – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)
- DE§ 288 BGB – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)
- DE§ 367 BGB – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)
Stand der zitierten Fassungen: jeweils aktuelle konsolidierte Version der amtlichen Fundstelle. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Wer diesen Beitrag verantwortet
DI (FH) Shahab Daban, MSc
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Veröffentlicht am . Zuletzt aktualisiert am . Methodik und eingesetzte KI-Modelle: KI-Transparenz.